Der Traumfänger hält die Schicksale der Zukunft

Vor langer Zeit, als die Welt noch jung war, stieg ein alter heiliger Mann der Lakota auf einen Berg und hatte eine Vision. In dieser Vision erschien ihm Iktomi, der clevere Schwindler und Lehrer, in Form einer Spinne. Und er sprach zu ihm in Worten, die nur ein heiliger Mann der Lakota verstehen konnte. Während er redete, nahm Spinnenmann Iktomi den Reifen aus Weidengerten, den der Alte mit sich trug und der mit Federn, Pferdehaar, Perlen und Opfergaben geschmückt war. Und er begann, ein Netz in den Reifen zu weben. 

Iktomi sprach zu dem alten Mann über den Kreislauf des Lebens, den wir als Säugling beginnen. Dann kommt die Zeit der Kindheit und schließlich die des Erwachsenseins. Am Ende sind wir alt und wir müssen wieder wie Kleinkinder umsorgt werden. So schließt sich der Kreis. Aber, sagte Iktomi, während er weiter an seinem Netz spann, in jeder Zeit unseres Lebens gibt es viele Kräfte. Einige sind gut, andere sind böse. Wenn du auf die guten Kräfte hörst, dann werden sie dich in die richtige Richtung leiten. Aber wenn du auf die bösen hörst, werden dich diese verletzen und in die Irre führen. Es gibt viele Kräfte und Richtungen, die mit der Harmonie der Dinge entweder übereinstimmen oder sie stören. Und genauso mit dem Großen Geist und all seinen Lehren. Während der Spinnenmann sprach, webte er unablässig weiter und arbeitete sich vom äußeren Rand des Reifens hin zur Mitte. 

Fotolia Brian Jackson

Als Iktomi seine Rede beendet hatte, gab er dem alten Lakota das fertige Netz und sagte: Sieh, dies ist ein perfekter Kreis, aber in der Mitte gibt es ein Loch. Nutze dieses Netz, um dir selbst und deinem Volk zu helfen, eure Ziele zu erreichen und eure Ideen, Träume und Visionen klug zu gebrauchen. Wenn ihr an den Großen Geist glaubt, dann wird das Netz eure guten Gedanken festhalten und die schlechten werden durch das Loch verschwinden. 


Der alte Lakota gab diese Vision an sein Volk weiter und so nutzen die Sioux jetzt den Traumfänger als das Netz ihres Lebens. Sie hängen ihn über ihre Betten oder in ihre Häuser, um ihre Träume und Visionen zu sieben. Das Gute wird vom Netz des Lebens eingefangen und weitergetragen. Doch das Böse rutscht durch das Loch hindurch aus den Träumen und damit aus dem Leben. 

<Text: Legende der Lakota, Bild: © Brian Jackson, Fotolia.de>


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