ANGSCHA’s Geschichte

Die Blonde sitzt am Brunnen. Die, mit den roten Haaren schaukelt. Blumen pflückt die große braunhaarige im blauen Gewand. Ich sehe mein Bild im See. Meine Haare sind schwarz und lang - wie die meiner Schwestern. Frühling, Sommer, Herbst und Winter - dass sind wir.

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Wir fassen uns an die Händen und tanzen im Kreis. Immer schneller und schneller. Wir sind das Rad der Jahreszeiten. Dunkle Wolken ziehen herbei. Der Himmel verfinstert sich. Sturm kommt auf. Der Wind erfasst den Frühling und nimmt sie mit sich fort.

Wir rufen nach dem Frühling, aber so sehr wir auch tanzen und lachen, sie kommt nicht zurück. Die Luft hatte den Frühling mit sich genommen. 

Ich sehe nach unten zur Erde, wie ich es all die Jahre zuvor getan habe. Mutter Erde höre mich. Lass entspringen, aus meiner Sehnsucht, den Keim der Fruchtbarkeit. Mutter sagt: “Es ist sinnlos. Der Keim würde aufgehen, aber nicht wachsen und blühen, denn der Frühling fehlt“. Was kann ich tun, frage ich die Mutter? Meine Schwestern Sommer und Herbst warten schon und wollen mit dem Tanz beginnen.

Sie sagte: „Geh hinab, dort wo deine Furcht am größten ist und auf dich wartet“. 

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Einen Fuß vor dem anderen setzend, gehe ich auf die Brücke. Erwartend, dass „sie“ auftaucht. Die Hand. Die Hand, die mich mit nach unten in die Tiefe nimmt. Da ist sie schon. Sie tauchte aus dem Moor empor und greift nach mir. Meine Angst ist so groß, dass ich Frühling vergesse und die Brücke wieder hinab laufe, bis ich in Sicherheit bin. 

Meine Schwestern warteten bei der Esche auf mich. Zusammen gingen wir zur Mutter. Frühling war in unserem Herzen und so tanzen wir den Tanz des Lebens. Mutter Erde sah unsere Not und hatte Erbarmen. Sie lies den Keim entstehen. 

Sommer übernahm die Aufgabe vom Frühling und so übergab ich ihr zur rechten Zeit den Keim, der meinem Schoß entsprungen war. Doch Sommer hatte keine Erfahrung mit der Gabe des Frühlings und so verbrannte und vertrocknete der Keim. Mutter war darüber erzürnt und nahm uns unseren Tanz.

Auf der Erde hörte die Zeit auf zu sein. Dunkelheit und Leblosigkeit nahm an unseren Tanz Platz. Nur mit großer Anstrengung konnte ich mich auf den Weg zu meiner Angst machen. Diesmal hatte ich eine Ahnung davon, wo sie auftauchen würde. Ich war schon fast am höchsten Punkt der Brücke angekommen. Aber sie zeigte sich nicht, sie griff nicht nach mir, die Hand. Jetzt war ich auf der anderen Seite angekommen. Ich war ratlos. Mutter hatte doch gesagt, ich soll hinab gehen. Wieder ging in auf die Brücke und wieder passierte nichts. 

Große Müdigkeit überkommt mich und ich schlafe ein. Im Traum gehe ich erneut über die Brücke. Da ist sie, die Hand. Wieder fliehe ich von der Brücke, aus Angst vor der Hand und der Tiefe. Viele Träume lang, träumte der Winter von der Hand und viele Winter, blieb die Erde ohne Zeit. Die Sehnsucht und Leidenschaft nach der Zeit wurde immer größer in mir. Ich ging auf die Brücke und rief nach ihr. Nach der Hand, die mich wohlwollend, beschützend und wissend mit in die Tiefe nimmt.

Der Lohn für meinen Mut und mein Vertrauen, war das Leben von Frühling. Die Blonde sitzt am Brunnen. Die, mit den roten Haaren schaukelt. Blumen pflückt die große Braunhaarige im blauen Gewand. Ich sehe mein Bild im See. Meine Haare sind schwarz und lang - wie die meiner Schwestern. Frühling, Sommer, Herbst und Winter - dass sind wir.

August 2011 - Angelika                               

                           Bildquelle © Angelika Schacht

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